„Ich hasse Mathe.“, „Ich habe Angst vor Mathe.“, „Ich kann kein Mathe.“ – leider hören auch wir Mathekolleg*innen der Marie-Kahle-Gesamtschule hin und wieder diese Aussagen über Mathematik, „unser“ Schulfach. Im Schulalltag erleben auch wir, was die PISA-Studie im Jahr 2022 bestätigt: Die Leistungen von Jugendlichen im Fach Mathematik werden schwächer, und der Anteil der Lernenden, die nicht einmal die Grundkompetenzen erreichen, steigt.

Es wird auch in unserer Fachschaft die Frage drängender, wie wir auf diese besorgniserregende Entwicklung reagieren können.

Unbenommen muss deutlich gesagt werden: Es gibt viele Kinder, die Mathe mögen, sogar lieben, die das Fach mit seiner Klarheit zu schätzen wissen und auf die die oben geschilderte Entwicklung nicht zutrifft. Sie zu fordern verstehen wir genauso als Teil unserer Arbeit wie mit den Problemen konstruktiv umzugehen.

2024 erhalten wir eine Einladung nach Erlangen. Dort wurde die Eichendorff-Schule gerade mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet, unter anderem für ihren „Raum der Mathematik“.  Einige Wochen später kehren vier Mathe-Lehrkräfte inspiriert und voller Tatendrang aus Erlangen zurück – im Gepäck viele Ideen gegen Mathe-Müdigkeit und für Forschungsdrang.

Es folgt ein Jahr intensiver Planung und schrittweiser Umsetzung. Der Förderverein unterstützt unser Vorhaben finanziell und macht es damit überhaupt erst möglich. Es gilt, das Konzept aus Erlangen auf die Bedürfnisse unserer Lernenden anzupassen. Neue Regale werden angeschafft – sie sollen herausnehmbare Schubladen enthalten, sodass das Material in allen Klassenzimmern eingesetzt und von allen genutzt werden kann.  Die Tische sollen kooperative Arbeitsformen unterstützen und es muss viel Material gesichtet und getestet werden. Ein Jahr nach unserer Reise nach Erlangen können wir den Raum der Mathematik auf dem Schulfest im Sommer 2025 eröffnen.

Seine grundlegende Idee ist einfach und unstrittig: Das wortwörtliche Begreifen von mathematischen Objekten hilft enorm, die mathematischen Inhalte zu begreifen und miteinander zu vernetzen. Wie groß ein Kubikmeter ist, erleben alle, wenn einer im Raum steht. (Abb. 1) Dass die Brüche 1/2 und 2/4 gleich groß sind, obwohl sie aus verschiedenen Zahlen bestehen, wird unmissverständlich klar, wenn beide Brüche in Form von Kuchenstücken deckungsgleich übereinanderliegen. (Abb. 2) Wie unterscheidet sich ein Kegel von einem Zylinder? Die Frage beantwortet sich mit den beiden Körpern in der Hand fast von selbst, es muss nicht zuerst eine zweidimensionale Zeichnung aus dem Mathebuch dreidimensional „gelesen“ werden.

Das Fach Mathematik birgt das Potential, dass viele Inhalte spielerisch erarbeitet werden können: Um die Lernenden dabei zu unterstützen, eine Grundvorstellung zur Addition und Subtraktion negativer Zahlen zu entwickeln, können die Lehrer*innen auf das Kontostand-Spiel zurückgreifen, zu zweit gespielt sorgt es für maximale kognitive Aktivierung und am Ende der Stunde das ein oder andere Mal für die Frage: „Was? Ist die Stunde schon vorbei?“

Aber es geht um mehr als Spiele: Klasse 5 braucht nach den Ferien ein Warm-up zum kleinen Einmaleins? (Abb. 3) Dreidimensionales Vorstellungsvermögen fördern? Mit den Geobrettern Brüche darstellen? Zufallsexperimente durchführen und eigenen Erfahrungen damit machen, statt etwas darüber im Mathebuch zu lesen? Oder einfach nur zehn Zirkel und zehn Scheren ausleihen, sodass alle unkompliziert mitarbeiten können?


Mit dem Raum der Mathematik haben wir einen Anfang gemacht und freuen uns nun darüber immer öfter zu hören: „Ich liebe Mathe.“, „Mathe ist so schön klar.“ oder „Ich kann das!“

Frau Kasparek, Frau Kroll, Frau Wilkens


[1]Quelle der PISA Zusammenfassung 2022

„Ich kann Mathe!“
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